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Aktuell


Vernissage
Di. 22. April 2025, 20 Uhr
Palace St. Gallen

Autonome Aufbrüche in den Siebzigern: Die Roten Steine und ihre mobilen Kommunen


Sie soffen und fixten, propagierten die freie Liebe und sahen in den Rockern und Hippies das revolutionäre Subjekt. Die Roten Steine waren in den 1970er Jahren eine autonome Gruppe, die in Zürich, Basel und St. Gallen in Kommunen lebte. Sie prügelten sich auf der Strasse mit der Polizei und verspotteten die traditionelle Linke als Spiesser. Die Frauen der Gruppe nannten sich Rote Zoras, ein Teil von ihnen prostituierte sich.
Die WOZ hat die widersprüchliche Geschichte der Roten Steine in der Beilage «wobei» aufgearbeitet: ihre konsequente Verweigerung gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft, ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben, aber auch den Sexismus und die sektenhaften Tendenzen in der Gruppe.

An der Veranstaltung stellen die Journalisten Philipp Anz und Daniel Stern ihre Recherche vor. Ausserdem kommt das ehemalige Rote-Steine-Mitglied Pius Frey aus St.Gallen zu Wort und spricht über seine Erfahrungen aus der Zeit.

Der Zürcher DJ Markus Punky Kenner begleitet den Abend mit «Rebel-Songs» aus den 70er und 80er Jahren, also viel Punk, Rock, Reggae, Ska und Jazz. Musik, die damals einen wichtigen Einfluss auf die politischen Bewegungen hatte.

Moderation: Judith Grosse (Historikerin und Leiterin des Archivs für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz)

Die erste Veranstaltung findet am 31.03.2025 um 20 Uhr im Sphères in Zürich statt.


Lesung und Gespräch
Di. 27. Mai 2025, 19 Uhr

Elisabeth Joris – ein Leben in Geschichten


Die Historikerin Elisabeth Joris prägte die Schweizer Frauengeschichtsschreibung wie keine andere. 1986 publizierte sie zusammen mit Heidi Witzig «Frauengeschichte(n). Dokumente aus zwei Jahrhunderten zur Situation der Frauen in der Schweiz» und wurde damit auf einen Schlag bekannt.

1946 in Visp im Oberwallis geboren, gehörte Joris einer Frauengeneration an, der man noch den Besuch des Gymnasiums verweigert hatte. Es brauchte mehrere Umwege, bis sie 1970 endlich ihren Traum, Geschichte zu studieren, verwirklichen konnte. Diese Erfahrungen und die aufkommende 68er-Bewegung beeinflussten sie. Joris war aktiv in der linken Gruppierung «Kritisches Oberwallis» und wurde Mitte der 1970er-Jahre zur überzeugten Feministin, was sich auf ihre weitere Arbeit als Historikerin auswirkte. In ihren zahlreichen Publikationen holte sie bürgerliche Frauen, Walliser Bergbäuerinnen, Frauen im Umfeld von Tunnelbaustellen und viele mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Vernetzt mit vielen Exponentinnen der neuen feministischen Geschichtsschreibung arbeitete sie auch mit dem Frauenarchiv Ostschweiz seit dessen Anfängen zusammen.

Die Historikerin und erfahrene Biografin Denise Schmid hat mit Elisabeth Joris während eineinhalb Jahren intensive Gespräche geführt. Denise Schmid ist Historikerin, Verlegerin und Autorin mehrerer Sachbücher, darunter dreier Frauenbiografien. Die lebhaft und in der Ich-Form erzählte Biografie spiegelt die ausserordentliche Persönlichkeit von Elisabeth Joris sowie ein Stück Schweizer Frauen- und Zeitgeschichte.

Das Gespräch führt Judith Grosse, Leiterin des Archivs für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz

Die Veranstaltung wird durchgeführt im Rahmen der Erfreulichen Universität im Palace St. Gallen


Geschichtsvermittlung

Weg der Vielfalt


Welche Spuren hat die gesellschaftliche Vielfalt in St.Gallen hinterlassen? Der «Weg der Vielfalt» macht Orte sichtbar, die nicht nur von Gerechtigkeit, Engagement und Menschenrechten erzählen, sondern auch von Rassismus, Ausgrenzung und Kolonialismus. Manche dieser Orte stehen für mutiges Eintreten für Mitmenschen – andere erinnern an dunkle Kapitel der Stadtgeschichte.

Der «Weg der Vielfalt» ermöglicht es, mit einfachen digitalen Mitteln die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und dabei bisher eher unbekannte Erinnerungsorte und ihre Geschichte zu entdecken. Einerseits thematisiert der Weg aus heutiger Sicht problematische Darstellungen oder Orte mit einer belasteten Vergangenheit und stellt den geschichtlichen Bezug her. Andererseits beleuchtet er inspirierende Geschichten von Menschen, die sich für Menschenrechte und Gerechtigkeit eingesetzt haben.

Zur interaktiven Karte geht es hier.

Bildlegende: Darstellung der fünf Kontinente am 1904 erbauten «Haus zur (Goldenen) Waage», Ecke Spisergasse/Multergasse, geschaffen vom holländisch-schweizerischen Bildhauer Henri Gisbert Geene (1865–1950). Quelle: Hans Fässler.