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Müssen es immer Heldinnen sein? Frauenleben erzählen und erinnern


Als Beitrag zum Wiborada-Monat-Mai hatten wir vom Archiv uns vorgenommen, die St. Galler Stadtheilige Wiborada, Inklusin aus dem Frühmittelalter, aus frauengeschichtlicher Perspektive historisch-kritisch einzuordnen.

Dabei hatten wir mit Prof. Caroline Arni, Historikerin an der Universität Basel und der Journalistin Jasmine Lörchner vom Podcasts HerStory am 5. Mai geballte Kompetenz auf der Bühne des Palace versammelt, um insbesondere heutige Deutungen der Wiborada in den Blick zu nehmen und das Potenzial dieser Figur für feministische Vermittlungsformate auszuloten – taugt sie als Heldin für solche Erzählungen? Im Gespräch mit Archivleiterin Judith Grosse ging es dabei auch allgemein um die Chancen und Fallstricke solcher Geschichtsformate: Wie können wir Frauenbiografien populär erzählen und ihnen dennoch aus historischer Perspektive gerecht werden? Warum ist biografisches Erzählen gerade für die Frauengeschichte so bedeutsam? Und wie erzählt man Lebensgeschichten differenziert, ohne die Protagonistinnen zu idealisieren oder zu Anti-Heldinnen zu machen – und ist das überhaupt die spannendste Frage, die wir an die Geschichte stellen können?

Wir freuen uns sehr, dass das Podiumsgespräch nun im Podcast-Feed von Jasmin Lörchners HerStory nachzuhören. Hier gehts zur Folge.

Und wer noch mehr hören möchte: Die Veranstaltung in St. Gallen hat Jasmin Lörchner zu einer eigenen HerStory-Folge über die historische Figur der Wiborada inspiriert! Anhören lässt sich das Ergebnis hier.


Frauenstadtrundgang
Sa. 15. August 2026, 15 Uhr

«Wiboradas Schwestern»


Pünktlich zu den Jubiläumsfeierlichkeiten für die hl. Wiborada warten wir mit einem neuen Stadtrundgang auf: «Wiboradas Schwestern» waren Frauen, die im Kanton oder in der Stadt St. Gallen lebten, sich politisch äusserten, für Frauenbildung eintraten oder die 1953 zum 150-Jahr-Jubiläum des Kantons St. Gallen eine ganze Ausstellung zu Frauenarbeit auf die Beine stellten. Die Grafikerin Lucie Scherrer, die Lehrerin Elsa Nüesch, die Richterin Margrith Bigler-Eggenberger, die Textilkünstlerin Verena Lehmann und die Frauen, die im St. Galler Schuhhaus täglich ein- und ausgingen waren starke, visionäre, beharrliche, kreative, belesene und einflussnehmende Frauen – genau wie Wiborada.

Treffpunkt: Wiborada-Brunnen bei St. Mangen

Termine:

Sa, 15. August, 15-17 Uhr

Do, 10. September, 18-20 Uhr

Die Rundgänge finden bei jeder Witterung statt.

Weitere Informationen zum Angebot der Frauenstadtrundgänge finden Sie hier


Buchvorstellung und Diskussion
Fr. 9. Oktober 2026, 19 Uhr
Palace St. Gallen

Prekäre Liberalisierung. Sexuelle Arbeit von Frauen in der Schweiz (1950–1990)


Sexualität als Arbeit polarisiert. In Debatten um Sexarbeit verhandeln Gesellschaften Fragen rund um Moral, sexuelle Normen, Geschlechterverhältnisse und Migrationspolitik. Was in solchen Debatten selten zur Sprache kommt, sind die sozialen und ökonomischen Verhältnisse, in denen Frauen arbeiten, die mit Sex Geld verdienen. In ihrem Buch Prekäre Liberalisierung. Sexuelle Arbeit von Frauen in der Schweiz 1950-1990 untersucht Sarah Baumann Sexarbeit aus einer arbeits- und geschlechterhistorischen Perspektive. Sie zeigt auf, in welchem sozialen und ökonomischen Geflecht sich Sexarbeiterinnen bewegten, wie sich gesellschaftliche Debatten und Behördenpraktiken rund um die Sexarbeit in urbanen Räumen veränderten und wie unterschiedlich Feministinnen Sexarbeit seit den 1970er Jahren politisierten. 

Die Historikerin Sarah Baumann führt uns an diesem Abend mit einer Quellenschau durch den Zeitraum von 1950 bis 1990. Im Anschluss kommt sie ins Gespräch mit Sonja Matter vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung und Christa Ammann von der Fachstelle Xenia. Was hat sich auf dem Feld der Sexarbeit seit den 1990er Jahren verändert? Was nicht? Und was scheint anders, ist aber im Grunde gleich geblieben? Das Gespräch wird von Sarah Schilliger vom Büro für Feminismus moderiert.

Zur Autorin

Sarah Baumann studierte Zeitgeschichte und Philosophie an der Universität Freiburg, wo sie 2024 auch promovierte. Zurzeit arbeitet sie als freischaffende Historikerin und als Geschichtslehrerin am Gymnasium/FMS Lerbermatt. 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Historischen Verein St. Gallen und dem Palace St. Gallen.

Eintritt: Fr. 10.- / mit Kulturlegi gratis
Türöffnung: 19 Uhr – Beginn: 19:30 Uhr


digitale Ausstellung

Oral History zur Zeitgeschichte der Ostschweiz


Diese vier Zeitzeug:innen berichten über ihr Engagement in den sog. neuen sozialen Bewegungen und der neuen Frauenbewegung, über ihre Migrationsgeschichte oder ihre Erlebnisse als Frauen im Politbetrieb. Möchten Sie mehr darüber erfahren, was diese und weitere Personen aus ihrem Leben berichten? Neu finden Sie hier auf unserer Website einen kuratierten Einblick in unsere Sammlung von Oral History Interviews.

Unsere ehemalige Mitarbeiterin Christina Nanz hat im Rahmen ihrer Masterarbeit ein umfassendes Vermittlungskonzept für unser Projekt «Zeitgeschichte der Ostschweiz» entwickelt. In vier Themenkapiteln können Sie sich vertieft über die Neue Frauenbewegung, Frauen in der Politik, die Migrationsgeschichte und die Neuen Sozialen Bewegungen informieren und ausgewählte Ausschnitte aus einigen der geführten Interviews anschauen.

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns noch einmal bei allen Zeitzeug*innen, die sich am Projekt beteiligt haben und ihre persönlichen Geschichten mit uns geteilt haben!