St. Gallen feiert am 2. Mai 2026 den 1100. Todestag der Inklusin Wiborada von St. Gallen. Der Verein «Wiborada Jubiläum» möchte diese inspirierende historische Figur, welche die Stadt St. Gallen vor der Zerstörung bewahrt hat, ins kollektive Bewusstsein einschreiben und ihre Bedeutung für die Gesellschaft sichtbar machen.
Die Figur Wiborada möchten wir anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten aus feministischer und historisch-kritischer Perspektive beleuchten. Taugt sie als Heldin für feministisch informierte Geschichtsformate? Was geht verloren, wenn wir den historischen Kontext dabei zu stark vereinfachen? Und (warum) ist es noch immer ein widerständiger Akt, Frauenbiografien und -geschichte(n) aufzubereiten und aus dem Vergessen zu holen? Wir laden dafür zu einer vielseitigen Themenreihe im St.Galler Kultur- und Konzertlokal Palace im Polit-Format «Erfreuliche Universität» ein.
Podium: Müssen es immer Heldinnen sein? Frauenleben erzählen und erinnern
Zum Auftakt der Themenreihe am 5. Mai werden Prof. Caroline Arni von der Universität Basel und die Journalistin Jasmine Lörchner (Podcast «Herstory») im Gespräch mit Archivleiterin Judith Grosse die Wiederentdeckung der Wiborada und die vielen Projektionen, die damit verbunden sind, kritisch-historisch einordnen. Beide beschäftigen sich in verschiedenen Formaten mit Frauenbiografien und Geschlechterverhältnissen und kennen die Chancen und Fallstricke dieses Genres: Wie können wir Frauenbiografien populär erzählen und ihnen dennoch aus historischer Perspektive gerecht werden? Warum ist biografisches Erzählen gerade für die Frauengeschichte so bedeutsam? Und wie erzählt man Lebensgeschichten differenziert, ohne die Protagonistinnen zu idealisieren oder zu Anti-Heldinnen zu machen – und ist das überhaupt die spannendste Frage, die wir an die Geschichte stellen können?
Tür: 19:00 // Beginn: 19:30
Eintritt: Fr 10.- (mit Kulturlegi gratis)
Vortrag: «Wiborada – Weder vrouwe noch wîp noch nunne. Weibliche Handlungsspielräume im Mittelalter»
Zwischen Schweigen und Schrift entfaltet sich die verborgene Geschichte der Frauen im Mittelalter. Die Mediävistin und Kulturvermittlerin Tanja Scherrer beleuchtet am 12. Mai die lückenhafte Quellenlage im Mittelalter und fragt, wie weibliche Stimmen aus männlich geprägten Texten rekonstruiert werden können. Am Beispiel der berühmten St. Galler Inklusin Wiborada zeigt sich, wie Frauen trotz enger Grenzen eigene Wege fanden – zwischen Anpassung, Spiritualität und Selbstbestimmung.
Tür: 19:00 // Beginn: 19:30
Eintritt: Fr 10.- (mit Kulturlegi gratis)
Podium zum Jubiläum der Wyborada-Bibliothek: Aktiv & feministisch – 1980er und heute
Am 19. Mai begegnen sich auf der Palace-Bühne zwei Frauen aus der 80er-Bewegung und zwei Frauen aus der Gegenwart zu einem generationenübergreifenden Podiumsgespräch. Gemeinsam diskutieren sie über die Entstehung der Bibliothek Wyborada und weiterer feministischer Projekte. Im Austausch zwischen damals und heute blicken wir auf die Anfänge des Vereins zurück und fragen, was die historische Wiborada und die wilden Frauen der 80er gemeinsam haben – und was sie uns für die Gegenwart zu sagen haben.
Intro: Karin Karinna Bühler (Bibliothek Wyborada) & Judith Grosse (Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz)
Auf dem Podium: Claude Bühler (Künstlerin, u.a. Glitch-Festival, Salon Vert, Tender Photo), Jessica Jurassica (Autorin von u.a. Gaslicht, Das Ideal des Kaputten), Silvia Vetsch (Sozialarbeiterin, langjährige Leiterin Frauenhaus St.Gallen, Mitbegründerin Wendo und PFG) und Marina Widmer (Soziologin, Mitbegründerin des Vereins Wyborada, des Frauenarchivs Ostschweiz und der PFG)
Moderation: Nadia Brügger (Literaturwissenschaftlerin, Autorin)
Tür: 19:00 // Beginn: jeweils 19:30
Eintritt: jeweils Fr 10.- (mit Kulturlegi gratis)