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Aktuell


Buchvorstellung und Diskussion
Fr. 9. Oktober 2026, 19 Uhr
Palace St. Gallen

Prekäre Liberalisierung. Sexuelle Arbeit von Frauen in der Schweiz (1950–1990)


Sexualität als Arbeit polarisiert. In Debatten um Sexarbeit verhandeln Gesellschaften Fragen rund um Moral, sexuelle Normen, Geschlechterverhältnisse und Migrationspolitik. Was in solchen Debatten selten zur Sprache kommt, sind die sozialen und ökonomischen Verhältnisse, in denen Frauen arbeiten, die mit Sex Geld verdienen. In ihrem Buch Prekäre Liberalisierung. Sexuelle Arbeit von Frauen in der Schweiz 1950-1990 untersucht Sarah Baumann Sexarbeit aus einer arbeits- und geschlechterhistorischen Perspektive. Sie zeigt auf, in welchem sozialen und ökonomischen Geflecht sich Sexarbeiterinnen bewegten, wie sich gesellschaftliche Debatten und Behördenpraktiken rund um die Sexarbeit in urbanen Räumen veränderten und wie unterschiedlich Feministinnen Sexarbeit seit den 1970er Jahren politisierten. 

Die Historikerin Sarah Baumann führt uns an diesem Abend mit einer Quellenschau durch den Zeitraum von 1950 bis 1990. Im Anschluss kommt sie ins Gespräch mit Sonja Matter vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung und Christa Ammann von der Fachstelle Xenia. Was hat sich auf dem Feld der Sexarbeit seit den 1990er Jahren verändert? Was nicht? Und was scheint anders, ist aber im Grunde gleich geblieben? Das Gespräch wird von Sarah Schilliger vom Büro für Feminismus moderiert.

Zur Autorin

Sarah Baumann studierte Zeitgeschichte und Philosophie an der Universität Freiburg, wo sie 2024 auch promovierte. Zurzeit arbeitet sie als freischaffende Historikerin und als Geschichtslehrerin am Gymnasium/FMS Lerbermatt. 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Historischen Verein St. Gallen und dem Palace St. Gallen.

Eintritt: Fr. 10.- / mit Kulturlegi gratis
Türöffnung: 19 Uhr – Beginn: 19:30 Uhr


Filmvorführung und Gespräch
Di. 13. Oktober 2026, 19 Uhr
Palace St. Gallen

Frauen am Bauen


Jamica hat genug von zwei Jobs bei Fast-Food-Ketten. Yumi kann keine Pickel mehr retuschieren. Lucinda kämpft, um ihre Familie zu ernähren. Romana will endlich ihren Traumberuf erlernen. Sie alle wollen raus aus dem alten Trott – und rein in die Welt des Bauhandwerks. Dabei spielt eine Sisters-helping-Sisters Organisation eine entscheidende Rolle: Frauen, die andere Frauen stärken – mit Werkzeug, Wissen und Zusammenhalt. Der Dokfilm Frauen am Bauen (Schweiz/USA 2026) erzählt die Geschichte von vier Frauen und einer Sisters-helping-Sisters Organisation Chicago Women in Trades (CWIT). Die Lebensumstände der vier porträtierten Frauen sind sehr unterschiedlich, ihr Wunsch im Kern derselbe. Während die Relevanz der im Film verhandelten Themen zeitlos ist, hat die Situation der Organisation an Brisanz gewonnen: So hat CWIT die aktuelle US-Regierung vergeklagt, die sie abschaffen will. Die Filmemacherin Ginger Hobi-Ragaz richtet ihren Blick mit diesem Film auf die Frage von Beruf(swahl) und Geschlecht im Bereich Handwerk. Dabei berührt sie die Frage von Solidarität unter Frauen, insbesondere nach stärkenden Strategien in der Arbeitswelt und auch aktuelle politische Prozesse in den USA, die ihre Schatten längst auf die Verhältnisse in Europa werfen.

Ginger Hobi-Ragaz hat Drehbuch, Kamera und Schnitt selbst übernommen und ist in diesen Rollen ihren Protagonistinnen im Gespräch ganz nahe gekommen. Am Produktionsprozess waren ausschliesslich Frauen und non-binäre Personen beteiligt. Im Anschluss an die Filmvorführung (53 Min) kommen im Palace die Filmemacherin Ginger Hobi-Ragaz, die Mitbegründerin des Vereins «Gemeinsam bauen wir neu» Seraina Rohner, die ehemalige Präsidentin des Ostschweizer Vereins «Frauen Bauen» Hanna Zürcher sowie die Zimmerfrau Delia Dällenbach vom Handwerkerinnen-Stammtisch Bern ins Gespräch über die im Film berührten Themen. Moderiert wird das Gespräch von Judith Grosse, Leiterin des Archivs für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz.

Tür: 19:00

Beginn: 19:30

Eintritt: 10.- (Kulturlegi, Schüler*innen und Student*innen gratis)


Ausstellung
Fr. 25. September 2026, 11 Uhr
Gossau

Frauenspuren im Hallenbad


Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» im ehemaligen Hallenbad Rosenau zeigt, welchen Beitrag Frauen über Generationen hinweg für Gesellschaft, Kultur und Politik geleistet haben und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert waren. Die Ausstellung greift zudem aktuelle Themen auf und gibt jungen Frauen Raum, ihre Gedanken und Wünsche für die Zukunft sichtbar zu machen.

Die Ausstellung widmet sich dem Gestern, dem Heute und dem Morgen. Für den Ausstellungsteil «Nicht gefragt – aber betroffen» zur regionalen Frauengeschichte im 20. Jahrhundert durfte das Archiv für Frauen- und Sozialgeschichte Ostschweiz die Ausstellungsmacherinnen unterstützen.

Frauen haben das 20. Jahrhundert miterlebt, mitgestaltet und verändert, oft jedoch unter Bedingungen, die sie selbst kaum beeinflussen konnten.Sechs Zeitfenster führen durch ein Jahrhundert, in dem gesellschaftliche Normen, Politik, Kirche, Familie und Arbeitswelt den Alltag und die Handlungsspielräume von Frauen bestimmten. Gleichzeitig erzählt die Ausstellung von Frauen, die bestehende Grenzen infrage stellten und sich Schritt für Schritt mehr Bildung, Mitsprache, Gleichstellung und Selbstbestimmung erkämpften.

Die Ausstellung Frauenspuren im Hallenbad ist vom 25. September bis 31. Dezember geöffnet. Jeweils freitags, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.


Menschen aller Generationen und Geschlechter sind eingeladen, Frauengeschichte und Frauengeschichten zu entdecken und sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Den Flyer für das spannende Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie hier


Podcast

Müssen es immer Heldinnen sein? Frauenleben erzählen und erinnern


Als Beitrag zum Wiborada-Monat-Mai hatten wir vom Archiv uns vorgenommen, die St. Galler Stadtheilige Wiborada, Inklusin aus dem Frühmittelalter, aus frauengeschichtlicher Perspektive historisch-kritisch einzuordnen.

Dabei hatten wir mit Prof. Caroline Arni, Historikerin an der Universität Basel und der Journalistin Jasmine Lörchner vom Podcasts HerStory am 5. Mai geballte Kompetenz auf der Bühne des Palace versammelt, um insbesondere heutige Deutungen der Wiborada in den Blick zu nehmen und das Potenzial dieser Figur für feministische Vermittlungsformate auszuloten – taugt sie als Heldin für solche Erzählungen? Im Gespräch mit Archivleiterin Judith Grosse ging es dabei auch allgemein um die Chancen und Fallstricke solcher Geschichtsformate: Wie können wir Frauenbiografien populär erzählen und ihnen dennoch aus historischer Perspektive gerecht werden? Warum ist biografisches Erzählen gerade für die Frauengeschichte so bedeutsam? Und wie erzählt man Lebensgeschichten differenziert, ohne die Protagonistinnen zu idealisieren oder zu Anti-Heldinnen zu machen – und ist das überhaupt die spannendste Frage, die wir an die Geschichte stellen können?

Wir freuen uns sehr, dass das Podiumsgespräch nun im Podcast-Feed von Jasmin Lörchners HerStory nachzuhören. Hier gehts zur Folge.

Und wer noch mehr hören möchte: Die Veranstaltung in St. Gallen hat Jasmin Lörchner zu einer eigenen HerStory-Folge über die historische Figur der Wiborada inspiriert! Anhören lässt sich das Ergebnis hier.


digitale Ausstellung

Oral History zur Zeitgeschichte der Ostschweiz


Diese vier Zeitzeug:innen berichten über ihr Engagement in den sog. neuen sozialen Bewegungen und der neuen Frauenbewegung, über ihre Migrationsgeschichte oder ihre Erlebnisse als Frauen im Politbetrieb. Möchten Sie mehr darüber erfahren, was diese und weitere Personen aus ihrem Leben berichten? Neu finden Sie hier auf unserer Website einen kuratierten Einblick in unsere Sammlung von Oral History Interviews.

Unsere ehemalige Mitarbeiterin Christina Nanz hat im Rahmen ihrer Masterarbeit ein umfassendes Vermittlungskonzept für unser Projekt «Zeitgeschichte der Ostschweiz» entwickelt. In vier Themenkapiteln können Sie sich vertieft über die Neue Frauenbewegung, Frauen in der Politik, die Migrationsgeschichte und die Neuen Sozialen Bewegungen informieren und ausgewählte Ausschnitte aus einigen der geführten Interviews anschauen.

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns noch einmal bei allen Zeitzeug*innen, die sich am Projekt beteiligt haben und ihre persönlichen Geschichten mit uns geteilt haben!